Neues Immunchemotherapie-Schema bei Lymphomen im Gehirn oder Rückenmark (primäres ZNS-Lymphom), bei denen keine Standard-Hochdosischemotherapie möglich ist
- Geschlecht
- Frauen und Männer
- Alter
- 18–99 Jahre
- Studienart
- Interventionell
- Therapielinie
- Erstlinie
- Phase
- Phase II
Worum geht es in dieser Studie?
Lymphome sind bösartige Erkrankungen der weißen Blutzellen, die auch ausschließlich das Gehirn oder Rückenmark (ZNS) betreffen können. Diese sogenannten primäre ZNS-Lymphome erfordern eine sehr intensive Therapie, die bei Vorerkrankungen oder im Alter nicht möglich sein kann. Ziel der MTR²-Studie ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit einer alternativen Immunchemotherapie, die aus einer Kombination von Methotrexat, Tafasitamab, Lenalidomid und Rituximab besteht, zu untersuchen. Patient*innen zwischen 18 und 99 Jahren mit primärem ZNS-Lymphom können an dieser Studie teilnehmen, wenn sie für eine intensive Standardtherapie nicht infrage kommen.
Ausführliche Beschreibung
Das primäre ZNS-Lymphom (PCNSL) ist eine spezielle Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, bei der sich die Erkrankung im Gehirn und/oder Rückenmark zeigt. Das PCNSL betrifft sogenannte Lymphozyten, eine Unterform der weißen Blutzellen, die zum Körper-Abwehrsystem gehören. Die Erkrankung kann rasch fortschreiten und die genaue Ursache ist unbekannt, jedoch können bestimmte Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem eine Rolle spielen. Zu den Symptomen zählen unter anderem Persönlichkeitsveränderungen, Demenz, Krampfanfälle, Depressionen und Kopfschmerzen. Die Standardbehandlung besteht in der Regel aus einer intensiven Immunchemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation. Hierbei werden vor der Hochdosis-Chemotherapie Stammzellen der betroffenen Patient*in aus dem Blut entnommen, um sie im Anschluss wieder über eine Infusion zurückzugeben, damit sich das durch die Chemotherapie geschädigte Knochenmark erholen kann. Dieses Verfahren ist eine Standardtherapie bei vielen schweren Blutkrebserkrankungen, grenzt sich aber von der so genannten allogenen Stammzelltransplantation ab, bei der nach der intensiven Chemotherapie nicht körpereigene Stammzellen zurückgegeben werden, sondern Zellen von fremden Menschen. Durch dieses Verfahren sollen die erkrankten Blutzellen der Patient*in sicher komplett eliminiert werden. Die Standardtherapie ist intensiv und kann für vorerkrankte oder alte Patient*innen nicht geeignet sein. Stattdessen werden schwächere Medikamente eingesetzt, was die Prognose aber verschlechtert.
Ziel der MTR²-Studie ist es, die Wirkung und Sicherheit der Kombinationstherapie aus Methotrexat, Tafasitamab, Lenalidomid und Rituximab an einer ausgewählten Patient*innengruppe weiterführend zu untersuchen. Alle Medikamente sind bereits zugelassen, jedoch könnte speziell die Kombination bei PCNSL sehr effektiv sein und somit eine Alternative zur Standardtherapie darstellen. Im Rahmen der Studie erhalten alle Patient*innen diese kombinierte Therapie, die über einen Zeitraum von 84 Tagen (etwa 3 Monaten) verabreicht wird. Zu Beginn bekommen die Patient*innen zwei Antikörper – Tafasitamab (Minjuvi®) und Rituximab – an den Tagen 0 und 5 per Infusion. An Tag 1 folgt eine hochdosierte Methotrexat-Infusion, ein Chemotherapeutikum, das besonders bei Lymphomen im zentralen Nervensystem wirksam ist. Zusätzlich erhalten die Patient*innen ab dem 4. Tag Lenalidomid, das das Immunsystem unterstützt und gegen die Krebszellen wirkt. Dieses wird in den ersten 21 Tagen in einer Dosis von 20 mg täglich gegeben und ab dem zweiten Zyklus auf 25 mg erhöht. Die Einnahme erfolgt an den Tagen 4 bis 17 in jedem der vier Behandlungszyklen. Ziel dieser Therapie ist es, das Lymphom gezielt und wirksam zu bekämpfen, indem verschiedene Wirkmechanismen kombiniert werden. Die erste Wirksamkeitsbeurteilung erfolgt nach zwei Therapiezyklen (primärer Endpunkt der Studie). Nach 84 Tagen ist die medikamentöse Therapie abgeschlossen. Die Nachsorge im Rahmen der Studie findet für ein Jahr statt. Die Studie ist nicht verblindet, d.h. ärztliches Personal und Patient*innen wissen, welche Medikamente eingenommen werden. Die Behandlung im Rahmen der Studie erfolgt für bis zu 1,5 Jahre, in denen die Wirksamkeit der Therapie und das Auftreten von Nebenwirkungen untersucht werden. Entscheidend ist, ob oder wann es zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt.
An der Studie können Frauen und Männer zwischen 18 und 99 Jahren mit einem neu diagnostizierten primären B-Zell-Lymphom des zentralen Nervensystems (PCNSL) teilnehmen, die bislang keine Behandlung erhalten haben und nicht für eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation infrage kommen. Personen ab 70 Jahren können unabhängig vom Allgemeinzustand teilnehmen, bei Jüngeren ist ein eingeschränkter Gesundheitszustand erforderlich. Voraussetzung sind eine messbare Tumorläsion im Gehirn oder Rückenmark sowie ausreichende Organfunktionen, insbesondere von Herz, Leber, Nieren und Blutbild. Ausgeschlossen sind Personen mit einem Krebsbefall außerhalb des zentralen Nervensystems, früherem Non-Hodgkin-Lymphom, bestimmten Virusinfektionen (z. B. HIV oder Hepatitis) oder schweren Infektionen. Auch eine frühere Lymphombehandlung (außer Steroiden oder einer Einmalgabe von Methotrexat/Rituximab) schließt eine Teilnahme aus. Schwangere und stillende Frauen sowie Personen mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen oder Abhängigkeitserkrankungen können ebenfalls nicht teilnehmen. Ziel ist es, eine sichere und gezielte Therapie für diese spezielle Patient*innengruppe zu prüfen.
Fakten
- Welche Erkrankung: Primäres Zentralnervensystem-Lymphom (PCNSL).
- Krebs-Merkmale: Unbehandelt.
- Was untersucht die Studie: Wirksamkeit und Sicherheit der Kombinationstherapie aus Methotrexat, Tafasitamab, Lenalidomid und Rituximab bei Patient*innen, die nicht für eine Hochdosischemotherapie infrage kommen.
- Ziel der Studie: Verbesserung der Therapieoptionen und der Überlebensrate.
- Wie lange dauert die Studie: Bewertung der Wirksamkeit nach 1,5 Monaten; Gesamtbeobachtung ca. 1,5 Jahre.
- Studienmerkmale: keine Verblindung, Phase-II, einarmige Studie (keine Kontrollgruppe).
Studienzentren
8 Studienzentren in Deutschland sind verzeichnet. Finden Sie ein Zentrum in Ihrer Nähe.
Universitätsklinikum Augsburg
Stenglinstrasse 2, 86156 Augsburg
Status unbekanntCharité – Universitätsmedizin Berlin
Berlin
RekrutierendUniversitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstrasse 74, 01307 Dresden
Status unbekanntUniversitätsklinikum Essen
Hufelandstrasse 55, 45147 Essen
RekrutierendUniversitätsklinikum Freiburg
79106 Freiburg
RekrutierendUniversitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Hamburg
In Vorbereitung
Diese Liste ist nach bestem Wissen zusammengestellt, aber ohne Gewähr: Sie kann unvollständig sein, und der Rekrutierungsstatus eines Zentrums kann sich jederzeit ändern.
- Dr. med. Sebastian SommerFacharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie
- PD Dr. med. Matthias FröhlichFacharzt für Innere Medizin, Immunologie, Notfallmedizin
Diese Beschreibung basiert auf dem öffentlichen Studienregister (NCT05583071) und wurde von unserer medizinischen Redaktion in verständliche Sprache übertragen. Ob eine Teilnahme für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.


